Schweißer für Industrieprojekte: Welche Qualifikationen und Schweißverfahren sind entscheidend?

👷 Teil unserer Wissensreihe „Fachkräfte & Gewerke“
Schweißer gehören mittlerweile zu den gefragtesten Fachkräften in der Industrie sowie im Anlagen- und Metallbau. Doch einfach bei einem Personalvermittler anzurufen und zwei Schweißer ab Montag zu bestellen, reicht als Anforderung nicht aus. Der Beruf des Schweißers ist sehr vielfältig und es gibt zahlreiche Spezialisierungen innerhalb dieses Berufsbildes. Daher gilt wie so oft: Schweißer ist nicht gleich Schweißer.
Entscheidend sind hier vor allem das Schweißverfahren, der Werkstoff, die Materialstärke, die Schweißposition und die mitgebrachte Erfahrung. Um Fehlbesetzungen zu vermeiden, kommt man um eine präzise Definition der Anforderungen nicht herum. Dieser Artikel zeigt daher, worauf Unternehmen bei der Definition der Anforderungen und bei der Auswahl achten sollten.
Inhaltsverzeichnis

Welcher Schweißer wird für welches Projekt benötigt?
Unterschiedliche Projekte stellen unterschiedliche Anforderungen. Zusätzlich ist beim Beruf des Schweißers hohe Präzision gefragt. Deshalb spezialisieren sich Schweißer häufig auf bestimmte Verfahren und Einsatzgebiete. Daher ist es schon bei der Suche nach geeigneten Fachkräften wichtig, genau zu unterscheiden, welche Erfahrung tatsächlich benötigt wird.
Hier finden Sie einen kurzen Überblick der vier Schweißverfahren:
WIG-Schweißer: Wenn Präzision gefragt ist
Oft wird WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgas-Schweißen) als „die Königsklasse“ der Schweißverfahren angesehen. Warum? Weil die Qualitätsanforderungen hoch sind und hier Präzision gefragt ist. Dieses Verfahren wird angewendet, um hochwertige und saubere Schweißnähte präzise setzen zu können. Häufig wird hier Edelstahl (oft auch als Nirosta bezeichnet) geschweißt, aber auch Aluminium wird hierbei gerne verarbeitet. Der Vorteil beim WIG-Schweißen ist, dass man nahezu alle schweißgeeigneten Metalle bearbeiten kann – darunter auch sehr dünne Bleche.
Hierbei brennt ein Lichtbogen zwischen einer Wolframelektrode und dem Werkstück. Ein inertes Schutzgas schützt die Schweißnaht vor der Umgebungsluft, während der Schweißzusatz per Hand in das Schmelzbad geführt wird.
Ein weiterer Vorteil ist, dass hierbei kaum Spritzer entstehen – dafür ist WIG-Schweißen vergleichsweise sehr zeitaufwändig. Beim WIG-Schweißen gilt also: Qualität vor Quantität.
WIG-Schweißen wird oft im Rohrleitungsbau, Geländerbau oder im Anlagen- und Behälterbau verwendet.
MAG-Schweißer: Wenn Geschwindigkeit, Produktivität und Wirtschaftlichkeit gefragt sind
MAG-Schweißen (Metall-Aktivgas-Schweißen) gehört zu den Schutzgasschweißverfahren. Im Gegensatz zum WIG-Schweißen wird hier mit einer abschmelzenden Drahtelektrode gearbeitet. Der Draht wird kontinuierlich von einer Spule zugeführt und dient gleichzeitig als Elektrode und Zusatzwerkstoff. Als Schutzgas kommt ein aktives Gas zum Einsatz (meist ein Gemisch aus Argon und CO₂ oder reines CO₂).
Der große Vorteil dieses Schweißverfahrens liegt auf der Hand: Aufgrund der hohen Abschmelzleistung kann mit sehr hoher Schweißgeschwindigkeit gearbeitet werden. Die kontinuierliche Drahtzufuhr sorgt für weniger Unterbrechungen beim Schweißen. Dadurch können lange Schweißnähte und auch größere Materialstärken vergleichsweise schnell bearbeitet werden. Das MAG-Schweißen ist somit sehr wirtschaftlich und oft eine gute Wahl für Stahlkonstruktionen. Es wird daher gerne im industriellen Stahl- und Metallbau eingesetzt, sowie im Hallen- und Konstruktionsbau, im Maschinenbau und Anlagenbau.
Auch wenn das MAG-Verfahren der „Sprinter“ unter den Schweißverfahren ist, sind die Schweißnähte typischerweise nicht so fein und optisch sauber wie beim WIG-Verfahren. Außerdem macht das Schutzgas das Verfahren empfindlich gegenüber Wind – längere Arbeiten im Freien können somit bei ungünstigen Wetterverhältnissen erheblich erschwert werden.
MIG-Schweißer: Wenn Aluminium und NE-Metalle gefragt sind
Das MIG-Schweißen (Metall-Inertgas-Schweißen) gehört wie MAG zu den Schutzgasschweißverfahren, bei dem ebenfalls eine abschmelzende Drahtelektrode kontinuierlich von einer Spule zugeführt wird. Der große Unterschied zum MAG-Schweißen: Hier wird ein inertes anstatt eines aktiven Schutzgases verwendet, meist Argon oder Argon-Gemische. „Inert“ bedeutet in der Chemie oder Physik meist reaktionsträge oder unbeteiligt. Ein inertes Gas geht somit keine chemischen Reaktionen mit anderen Stoffen ein. Beim Schweißen bedeutet das, dass das Inertgas wie ein Schutzschild über dem flüssigen Schmelzbad liegt und somit verhindert, dass die Umgebungsluft an das Metall gelangt. Das Metall wird vom Gas selbst dabei kaum chemisch beeinflusst.
MIG-Schweißen wird vor allem eingesetzt, wenn Nichteisenmetalle (NE-Metalle) wie zum Beispiel Aluminium bearbeitet werden müssen. Auch dieses Schweißverfahren ist somit interessant, wenn in vergleichsweise kurzer Zeit lange Schweißnähte ohne viele Unterbrechungen hergestellt werden sollen, besonders bei Aluminiumkonstruktionen.
Aufgrund des Schutzgases ist das MIG-Verfahren ebenfalls windempfindlich und verlangt insbesondere bei der Verarbeitung von Aluminium eine saubere Vorbereitung. Gerade hier ist Erfahrung entscheidend, um saubere Schweißnähte ohne Verunreinigungen herzustellen.
Typischerweise kommt das MIG-Verfahren gerne bei Aluminium- und Leichtmetallkonstruktionen zum Einsatz, aber auch im Fahrzeugbau, im Maschinenbau und in der industriellen Fertigung.
💡 Gut zu wissen: MIG und MAG funktionieren grundsätzlich sehr ähnlich. Der wesentliche Unterschied liegt im verwendeten Schutzgas und damit auch in den typischen Werkstoffen und Einsatzbereichen. Als Faustregel gilt:
MAG → vor allem Stahl MIG → vor allem Aluminium und andere NE-Metalle
E-Hand-Schweißer: Wenn Flexibilität gefragt ist
Eines der klassischen Lichtbogenschweißverfahren ist das E-Hand-Schweißen (auch Elektrodenschweißen genannt). Hierbei entsteht ein Lichtbogen zwischen der abschmelzenden Elektrode und dem Werkstück. Die Elektrode dient auch gleichzeitig als Zusatzwerkstoff und deren Umhüllung erzeugt beim Schweißen Schutzgase und Schlacke. Da das Schutzgas im Schweißprozess sozusagen „erzeugt“ wird, ist keine separate Schutzgasflasche notwendig – das macht die Handhabung einfacher und flexibler.
Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass das E-Hand-Schweißen windunempfindlich ist und daher vor allem auf Baustellen und für Arbeiten im Freien geeignet ist. Durch die vergleichsweise einfache Ausrüstung und die gute Mobilität ist es auch an ansonsten schwer zugänglichen Stellen gut einsetzbar. Zudem eignet sich das Verfahren für viele verschiedene Schweißpositionen.
Das E-Hand-Schweißen ist somit der „Allrounder“ für die Baustelle: flexibel, robust und auch dort einsetzbar, wo Schutzgasverfahren an ihre Grenzen kommen.
Ein Nachteil ist, dass die Elektrode regelmäßig gewechselt werden muss und somit Unterbrechungen vorprogrammiert sind. Dadurch ist die Produktivität etwas geringer als beispielsweise beim MAG-Schweißen. Außerdem entsteht nach dem Schweißen eine Schlacke, die entfernt werden muss und somit einen zusätzlichen Arbeitsschritt bedeutet. Sauberes E-Hand-Schweißen erfordert viel Übung und Erfahrung.
Typische Einsatzbereiche sind vor allem Arbeiten im Freien, etwa bei Montagearbeiten, auf Baustellen sowie bei Reparaturen oder bei der Instandhaltung von Stahlkonstruktionen.
Worauf Unternehmen bei der Auswahl von Schweißern achten sollten
Die Gegenüberstellung der verschiedenen Schweißverfahren zeigt somit deutlich, dass nicht jeder Schweißer und somit nicht jedes Verfahren für jedes Projekt geeignet ist. Auch wenn alles unter dem Überbegriff „Schweißer“ läuft, sind die Unterschiede in der Praxis enorm.
Je genauer die technischen Anforderungen vorab definiert werden, desto gezielter kann das richtige Fachpersonal eingesetzt werden.
Kurze Checkliste vor der Auswahl von Schweißern:
☐ Welches Schweißverfahren wird benötigt?
☐ Welcher Werkstoff wird verarbeitet?
☐ Welche Materialstärken sind vorgesehen?
☐ Wird an Rohren oder Blechen geschweißt?
☐ Welche Schweißpositionen bzw. Nahtarten sind erforderlich?
☐ Findet das Schweißen im Innen- oder Außenbereich statt?
☐ Welcher Zeitrahmen steht für die Schweißarbeiten zur Verfügung?
☐ Welcher Umfang an Schweißnähten ist geplant?
☐ Welche Anforderungen bestehen an Präzision, Nahtqualität und Optik?
☐ Ist eine bestimmte Schweißerprüfung erforderlich?
☐ Müssen technische Zeichnungen gelesen werden können?
☐ Sind zusätzliche Schlosser- oder Montagearbeiten vorgesehen?
☐ Welche Sprachkenntnisse werden benötigt?
Fazit: Der richtige Schweißer muss zum Projekt passen
Schweißer ist nicht gleich Schweißer. Um Fehlbesetzungen, Verzögerungen und unnötige Kosten schon im Vorhinein zu vermeiden ist die richtige Auswahl der Fachkräfte essenziell. Hierbei müssen als erster Schritt das richtige Verfahren sowie die verschiedenen Spezialisierungen berücksichtigt werden.
Sie wissen, was geschweißt werden muss – wir finden die passenden Profis dafür. Ob WIG, MAG, MIG oder E-Hand: Montexa vermittelt qualifizierte Schweißer und eingespielte Teams für Industrie- und Montageprojekte.
FAQ – Die häufigsten Fragen zu Schweißern
Welches Schweißverfahren eignet sich für Aluminium?
Für Aluminium und andere NE-Metalle wird häufig das MIG-Schweißverfahren eingesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen MIG und MAG?
Der wesentliche Unterschied liegt im Schutzgas: MIG verwendet ein inertes, MAG ein aktives Schutzgas.
Wann wird WIG-Schweißen eingesetzt?
WIG eignet sich besonders für präzise, hochwertige Schweißarbeiten, beispielsweise im Rohrleitungs-, Anlagen- und Behälterbau.
Was ist der Vorteil von E-Hand-Schweißen?
E-Hand-Schweißen ist flexibel, mobil und weniger windempfindlich als Schutzgasverfahren – ideal für viele Baustellen- und Montagearbeiten.
Ist jeder Schweißer für jedes Projekt geeignet?
Nein. Schweißverfahren, Werkstoff, Materialstärke, Schweißposition und Erfahrung müssen zum jeweiligen Projekt passen.
Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl von Schweißern achten?
Auf das benötigte Verfahren, Werkstoff, Projekterfahrung, Arbeitsbedingungen, Qualitätsanforderungen und gegebenenfalls erforderliche Schweißerprüfungen.



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